DFL TERMINIERT BUNDESLIGA-SPIELTAGE 20 BIS 25
Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat die Spieltage 20 bis 25 der aktuellen Bundesliga-Saison zeitgenau angesetzt. Alle Heimspiele sind im Buchungsportal vom BORUSSIAFANCLUB KLEVE entsprechend angepasst. Borussias fixe Bundesliga-Termine in der Übersicht: 16. Spieltag: Borussia – Bayer... mehr
Fanartikel BORUSSIAFANCLUB KLEVE
Ab sofort bieten wir Euch Fanartikel vom BORUSSIAFANCLUB KLEVE an. Stöbert einfach mal durch: Fanartikel BORUSSIAFANCLUB KLEVE  (Eine vorherige Anmeldung im Mitgliederbereich ist erforderlich) mehr
Bundesliga-Tippspiel 2022/2023 ist gestartet
Natürlich wird der BORUSSIAFANCLUB KLEVE auch in der Saison 2022/2023 sein beliebtes Online-Tippspiel durchführen. Dieses Jahr wird das Tippspiel mit einer Neuerung durchgeführt. Vor der Saison sind von jedem interessierten Mitglied Bonusfragen zu beantworten. Für jede richtig beantwortete... mehr
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Pressespiegel

29. Nov 2022

Fohlenfutter-Blog: Scally fiebert auf der Bank mit - USA im Achtelfinale

Joe Scally ist der jüngste Profi im WM-Kader der USA. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen den Iran saß er erneut 90 Minuten auf der Bank. Die gute Nachricht: Im Achtelfinale am Samstag hat er die nächste theoretische Einsatzchance.

 


29. Nov 2022

System-Alternative: Warum sich das 4-3-3 für Farkes Borussia lohnen könnte

Das 4-2-3-1 ist Trainer Daniel Farkes Hauptsystem in Gladbach. Eine Alternative gibt es derzeit nicht. Eine Variante, die in Borussias Mannschaft schon hinterlegt ist, könnte allerdings der Schlüssel sein, zwei Probleme anzugehen.

 


29. Nov 2022

Mainz, Miami, Malediven: So verbringen die Borussia-Profis ihren Urlaub

Während die sechs WM-Fahrer in Katar sind, genießen einige Teamkollegen von Borussia Mönchengladbach ihren Urlaub. Manu Koné und Nathan Ngoumou sind gemeinsam verreist, andere Gladbach-Profis mit ihren Familien unterwegs. Einer weilt sogar im Land eines WM-Favoriten.

 


29. Nov 2022

Plan nach der Karriere steht schon: Gladbach-Legende Wendt macht weiter in Göteborg

Im Sommer 2021 verließ er Borussia Mönchengladbach nach zehn Jahren, nun hängt Oscar Wendt eine weitere Saison dran: Der Schwede hat seinen Vertrag bei Heimat- und Herzensklub IFK Göteborg verlängert. Nach der Karriere will er dem Fußball treu bleiben.

 


29. Nov 2022

Derzeit auf Platz 15: Wie sich Borussias Altersschnitt künftig entwickeln dürfte

In der Vorsaison unter Trainer Adi Hütter war das Durchschnittsalter bei Borussia erstmals seit Jahren wieder gesunken. Dieser Prozess wurde unter Daniel Farke nun wieder gestoppt. Das hat verschiedene Gründe. Warum sich die Verjüngung in den kommenden Jahren aber fortsetzen wird.

 


14. Nov 2022

VARarschung oder VARadies? Ist der DFB noch zu retten?

Der DFB ist korrupt, seine Schiedsrichter unfähig und der VAR nutzlos. Auf weniges können sich Fußballfans über alle Vereinsgrenzen hinweg so leicht einigen wie auf diese Grundsätze. Auch in Mönchengladbach wurde in dieser Hinrunde mehrfach Unmut geäußert, insbesondere in der vergangenen Woche nach der Partie in Bochum. Immerhin: Der sportlich trostlose Auswärtsauftritt der Borussia im Ruhrstadion bot so nicht nur Negatives. Interessierte Fußballfanatiker bekamen für ihr Geld eine gute Portion fantasievoller DFB-Regelkunde frei Haus geliefert. Seit letzter Woche kennt jeder Borussen-Fan die abstrusen Feinheiten zwischen „kontrolliertem“ und „absichtlichem" Spiel, die vom DFB in seiner unnachahmlich kreativen Regelauslegung seziert und pervertiert worden sind. Aber was hat es uns geholfen, die aus unserer Sicht ungerechte Behandlung über Tage hinweg in einer Weise zu bejammern, die selbst Max Eberl zu weinerlich vorgekommen sein muss? Zielführender wäre es, die Diskussion konstruktiv und lösungsorientiert zu führen. Im aktuellen Sportstudio führte Borussia-Edelfan Dunya Hayali ein interessantes Gespräch mit Manuel Gräfe , das dieser anschließend auf seinem Twitter-Account noch ergänzte. Wir greifen dies im Folgenden auf und stellen 10 Forderungen an den DFB, das IFAB und uns Fußballfans zur Diskussion, wie wir aus solchen Situationen wie zuletzt im Ruhrstadion erfolgreich lernen könnten. Schafft klare, einfache und verständliche Regeln! Schafft den VAR-Eingriff bei Wahrnehmungsfehlern ab! Gebt der Challenge eine Chance! Akzeptiert die menschliche Fehlbarkeit des Schiedsrichterteams – auch vor dem Fernseher! Setzt dem VAR ein Zeitlimit für schnellere Entscheidungen! Akzeptiert die statistischen und logischen Fakten zum VAR! Professionalisiert die Schiedsrichter! Schafft Strukturen im DFB, die das Leistungsprinzip wahren und Korruption verhindern! Schafft endlich mehr Transparenz! Konzentriert Euch wieder mehr auf den Fußball! Der aktuelle Streitfall Im Februar des vergangenen Jahres gewann der BVB sein Pokal-Achtelfinale gegen den SC Paderborn durch einen umstrittenen Treffer des einstigen Trump-Wahlhelfers Erling Haaland. Fußball-Deutschland war empört, weil der Underdog in der Verlängerung ein entscheidendes Gegentor kassierte, das nach gefühlter Wahrnehmung der Zuschauer niemals hätte zählen dürfen. Beim Pass von Thomas Delaney stand der Dortmunder Stürmer nämlich zunächst eindeutig im Abseits. Erst durch die offensichtlich unabsichtliche Grätsche des Paderborners Ingelsson wurde – nach damaligem Regelstand – eine neue Spielsituation geschaffen, was die Abseitsstellung aufhob. Diese Szene fachte die Diskussion um die Regelauslegung in Deutschland an. International befeuert wurde sie im Oktober des vergangenen Jahres, als Kylian Mbappe im Nations League Finale ein ähnlich bizarres Abseitstor schoss, das den Regeln entsprechend aber zählen musste. Dies rief die FIFA-Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) auf den Plan, die sich daher in diesem Sommer um eine Konkretisierung der Regel bemühten und Richtlinien zum so genannten „Deliberate Play“ festlegten. Der DFB mühte sich redlich, diese Richtlinien ins Deutsche zu übersetzen, wobei aber offensichtlich auf einen sprach- und fachkundigen Übersetzer verzichtet wurde. Solche Sparmaßnahmen sind für so einen finanzschwachen Verband vermutlich nötig, wenn immer wieder Millionenbeträge wie kurz vor der WM-Vergabe 2006 auf mysteriöse Weise verschwinden. In der deutschen Übersetzung wird ein „kontrolliertes Spielen“ von den Regelhütern des DFB so interpretiert, dass eine Ballberührung des Abwehrspielers in Bedrängnis nicht mehr als deliberate play gilt und somit die Abseitsstellung nicht aufhebt. In einer Regelschulung vor Saisonbeginn wurde dies den Schiedsrichtern anhand von Fallbeispielen offensichtlich so erklärt, dass Abwehraktionen wie jene des Bochumers Lampropoulos davon abgedeckt sein sollen. Dies wurde am Tag nach der Partie durch den DFB-Projektleiter Jochen Drees offiziell bestätigt. Damit widerspricht der DFB allerdings der Grundintention des IFAB, das vornehmlich Regelungen für offensichtlich abgefälschte oder verunglückte Abwehrversuche (so genanntes „deflecting“) schaffen wollte und sollte. Auf der Website des IFAB wurden mehrere eindeutige Referenz-Szenen veröffentlicht, die den Schiedsrichtern des DFB offensichtlich nicht bekannt sind. Spätestens dort wird nämlich deutlich, dass die DFB-Auslegung zur Szene in Bochum nicht mit den Vorgaben des IFAB übereinstimmt. In der emotionalisierten Fandebatte wurde aus dieser Szene wie so oft mal wieder eine grundsätzliche VAR-Debatte gestrickt, obwohl die Entscheidung so viel mit dem VAR zu tun hat wie der 1. FC Köln mit gutem Fußball. Lange gehegte Feindbilder müssen schließlich gepflegt werden. Schiedsrichter Schlager gab nach der Partie zu Protokoll, dass er den gezielten Abwehrversuch des Bochumers schon auf dem Spielfeld als „unkontrollierte Aktion“ wahrgenommen habe und sich lediglich nicht sicher war, ob Jonas Hofmann vorher beim Kopfball von Friedrich im Abseits stand. Letzteres ließ sich durch den VAR eindeutig und zweifelsfrei belegen. Ersteres war dagegen eine höchst strittige Interpretation, weshalb der VAR zurecht eine Prüfung der Szene per Field Review empfehlen musste. Leider blieb der Schiedsrichter auch nach Sichtung der TV-Bilder bei seiner fragwürdigen Einschätzung, zu der ihm im Nachgang der DFB ebenso wie u. a. Sky und kicker beipflichteten. Aus meiner persönlichen Sicht ist es schwer verständlich, in der Abwehraktion des Bochumers keine kontrollierte und beabsichtigte Aktion zu erkennen. Die ursprüngliche Intention des IFAB wird durch solch eine Interpretation ad absurdum geführt. Ähnlich bewertet es z. B. der erfahrene Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe mit Verweis auf die Original-Ausführungen des IFAB. Der VAR wurde in dieser Szene zum Erfüllungsgehilfen einer höchst fragwürdigen Einschätzung des Verbandes, hat aber – so absurd dies für Fußballliebhaber klingt – im Sinne der vom DFB pervertierten Regel tatsächlich die „richtige“ Entscheidung getroffen. Durch das öffentliche Statement sollte der DFB jetzt eigentlich an diese Art der Regelauslegung in vergleichbaren Spielszenen gebunden sein. Leider zeigte sich aber in den vergangenen Jahren allzu oft, dass solch hehre Worte schon kurz später nicht mehr viel wert waren und bei ähnlichen Situationen auf einmal ganz anders entschieden wurde. Man denke z. B. an die „doppelte Gelbe Karte“ für Alassane Pléas Beschwerden bei Schiedsrichter-Commitman Tobias Stieler. Dass ein Spieler für das faktisch gleiche Vergehen direkt hintereinander zwei Gelbe Karten erhält, ist meines Wissens seitdem nicht wieder vorgekommen. Es wurde also ein einmaliges Exempel statuiert und im Nachgang als „regelkonform“ gerechtfertigt, das später stillschweigend wieder aufgeweicht wurde. Solche Erlebnisse erschüttern das Vertrauen in die Handlungen und Aussagen der DFB-Vertreter, die daher von den Fußballfans nur noch sehr bedingt ernst genommen werden können. Soweit der aktuelle Fall, der aber nur die Spitze eines Eisbergs ist, der sich in den letzten Jahren an den Stammtischen dieser Fußballwelt aufgestaut hat. Die Unzufriedenheit mit dem DFB und dem Schiedsrichterwesen ist zunehmend hoch. Da wird es Zeit, den Jammerstatus zu verlassen und von allen Beteiligten Verbesserungen für die Zukunft einzufordern. Forderung 1: Schafft klare, einfache und verständliche Regeln! Der Fußball hat sich insbesondere deshalb zum beliebtesten Sport der Welt entwickelt, weil er für jeden Menschen leicht verstanden und nahezu überall ausgeübt werden kann. Zu einem erfolgreichen Fußballspiel braucht es im Grunde nicht mehr als einen tretbaren Gegenstand. Er wird daher auf den Straßen von Rio de Janeiro genauso leidenschaftlich gekickt wie in den Hinterhöfen von Mönchengladbach-Eicken. Von seinem Grundprinzip der Einfachheit hat sich der Profifußball aber schon weit vor Einführung des VAR zunehmend entfernt. Die Handregel z. B. ist schon seit Jahrzehnten ein unverständliches Ärgernis – man frage nach bei Edgar Steinborn oder Alvaro Dominguez. Im vermeintlichen Bemühen, es allen Unzufriedenen recht zu machen, hecheln IFAB und DFB jeder hitzig geführten Debatte hinterher und versuchen, die Regeln durch immer neue Ausnahmetatbestände oder vermeintliche Klarstellungen „gerechter“ zu machen. So geschah es diesen Sommer z. B. in Reaktion auf den strittigen Siegtreffer im Nations Cup, was auf IFAB-Ebene immerhin noch gelang. Nach Christoph Kramers Handspiel vor einem Tor gegen den BVB wurde 2018 in ähnlicher Weise eine öffentliche Diskussion gestartet. Bald darauf wurde jedes Tor verboten, dem ein Handspiel vorausging. Als dies wiederum Tore verhinderte, die von der Fanbasis als gefühlt regelkonform wahrgenommen wurden, gab es die nächste Anpassung, sodass inzwischen nur noch Tore aberkannt werden, die direkt mit der Hand erzielt werden. Wer soll da noch ernsthaft den Überblick behalten? Allein in Deutschland gibt es zig Millionen Menschen, die sich für ausgewiesene Fußballexperten halten und genau zu wissen glauben, wann ein Tor zu gelten haben sollte und wann nicht. Im Zweifel immer dann, wenn es dem eigenen Verein nutzt. Aber Spaß beiseite: Zum Fußball hat fast jeder Bundesbürger eine klare Meinung und dank der (Un-)Sozialen Medien wird diese von sehr vielen lautstark in die Welt hinausposaunt. So weit so basisdemokratisch. Problematisch wird das ganze erst, wenn diese Millionen Menschen keine Ahnung mehr haben (können), wie bestimmte Regeln lauten, geschweige denn wie sie im aktuellen Monat gerade mal von den Regelhütern ausgelegt werden. Vorrangig zu nennen ist hier die Handregel, und – wie wir nicht erst seit letzter Woche wissen – das (passive) Abseits. Gerade diese beiden Regeln sind in den vergangenen Jahren ähnlich häufig überarbeitet worden wie das deutsche Steuerrecht und sie bilden in etwa 80-90 % der größten Ärgernisse bei Schiedsrichter-Entscheidungen ab. Wenn selbst Fachjournalisten regelmäßig keine Ahnung haben, ob denn jetzt die T-Shirt-Linie noch gilt oder ob Schutzhand jetzt doch wieder erlaubt worden ist, dann läuft etwas gewaltig schief. Anstatt sich immer wieder zu regeltechnischen Verschlimmbesserungen hinreißen zu lassen, durch die im Zeitablauf kein Beobachter mehr durchblickt, täten IFAB und DFB gut daran, sich wieder mehr auf die Einfachheit des Spiels zurückzubesinnen. Keep it simple and stupid, heißt ein goldener Leitsatz der Öffentlichkeitsarbeit, der auch für den Fußball und seine Regeln gelten sollte. Diese müssen so klar, einfach und verständlich wie nur irgend möglich ausgestaltet sein und anschließend offensiv und deutlich kommuniziert sowie langfristig beibehalten werden. Konkret an den DFB und das IFAB gerichtet: Findet Regeln, die dem bestmöglich entsprechen und hört danach auf mit der permanenten Flickschusterei als Reaktion auf jede öffentliche Diskussion! Es wird niemals irgendeine Regel zum Handspiel oder zum passiven Abseits geben können, die jede denkbare Spielsituation zu 100 % gerecht abdecken kann. Wir müssen uns damit abfinden, dass es immer zu gefühlten Ungerechtigkeiten kommen wird. Schmerzen tun diese aber besonders dann, wenn sie nicht nachvollzogen werden können und allem widersprechen, was zuvor jahrzehntelang zu gelten schien. Verabschiedet stattdessen Regeln, die für jeden leicht zu verstehen und die zudem einfach zu bestimmen oder zu messen sind. Ganz konkret könnte es bei der Handregel z. B. wie folgt aussehen - angelehnt an einen Vorschlag, den Collinas Erben bereits vor einigen Jahren ähnlich in die Debatte einbrachten . Dies ist nur ein exemplarischer und mit Sicherheit verbesserungsbedürftiger Vorschlag, der von Experten konkreter durchdacht und angepasst werden müsste: Handspiel wird grundsätzlich nicht mehr geahndet, wenn bei der letzten Ballberührung eines Gegners oder Mitspielers weniger als 5 Meter zwischen dem Ball und der Hand des Verteidigers liegen. Bei allen anderen Handspielen im Strafraum (ab 5 Meter Abstand) folgt grundsätzlich ein indirekter Freistoß an der Stelle des Handspiels. Einzige Ausnahme von obigen Punkten: Es gibt immer Elfmeter und ggf. eine Rote Karte für den Verteidiger, wenn ein Tor oder eine klare Torchance verhindert wird oder die Regel durch ein ganz offensichtlich bewusstes und absichtliches Handspiel umgangen werden soll. Ein 5-Meter-Abstand ließe sich bei strittigen Aktionen durch den VAR einwandfrei und schnell nachmessen – falls gewollt ggf. mit Toleranzgrenze. Ein guter Feldschiedsrichter sollte zudem ein gesundes Augenmaß bzgl. Abständen mitbringen, die er z. B. bei Freistößen mit seinem Spray markieren muss. Die Einschätzung, wann eine klare Torchance verhindert wurde, könnte zwar immer noch zu Diskussionen führen, funktioniert aber in ähnlicher Weise bei Notbremsen bereits relativ gut. Die „ganz offensichtliche bewusste Absicht“ sollte sehr eng gefasst werden und nicht von schwammigen Auslegungstatbeständen wie „natürliche Handbewegung“ geprägt sein. Vielmehr ginge es nur darum zu verhindern, dass die Regel ausgehebelt werden kann, indem z. B. ein Verteidiger seinem Mitspieler den Ball aus 3 Metern zuspielt und dieser ihn dann mit der Hand aus dem Strafraum werfen kann. Dies ist aber nur ein Beispiel für eine potenziell klare und relativ leicht bestimmbare Handhabung, die beim komplizierten Tatbestand „Handspiel“ zweifelsohne nicht leicht herzustellen ist. Hier müsste eine Kommission aus erfahrenen Ex-Profis und Ex-Schiedsrichtern in Feinarbeit alle denkbaren Spielsituationen auswerten und die Regel entsprechend konkretisieren. Anschließend sollten zahlreiche Referenzszenen aus der Vergangenheit in ein entsprechendes Schema eingeordnet werden, anhand derer die Schiedsrichter bis zum Exzess geschult werden – ähnlich wie es die IFAB beim „deliberate play“ vorgelebt hat. Verbunden werden müsste diese – oder eine ähnliche – Regel mit einer Transparenzoffensive, die dafür sorgt, dass sämtliche Medien ausführlich und mehrfach über die Neuerung berichten und sie einleuchtend erklären. Es wird mit Sicherheit auch bei obigem Beispiel Szenen geben, bei denen Fans betroffener Klubs beklagen, ein Schuss aus 4 Metern sei offensichtlich absichtlich abgewehrt worden und hätte daher geahndet werden müssen. Wenn die Regel aber klar und eindeutig festgelegt und verbindlich kommuniziert wird, dann sollte jeder Fußballfan damit ein Stück weit besser leben können. Im Falle des „deliberate play“ würde es im Übrigen vermutlich schon ausreichen, die direkten Formulierungen des IFAB korrekt ins Deutsche zu übersetzen und sich beim DFB die Referenzszenen doch einmal anzuschauen und sie seinen Schiedsrichtern korrekt zu vermitteln. Forderung 2: Schafft den VAR-Eingriff bei Wahrnehmungsfehlern ab! Keep it simple and stupid sollte selbstverständlich auch und ganz besonders für den VAR gelten. Der Einsatzkatalog, wann der VAR eingreifen darf – bei Torerzielung, Elfmetern, Roten Karten, Verwechslung eines Spielers – ist ein Positivbeispiel für eine solche einfache und verständliche Umsetzung. Trotzdem krankt der VAR u. a. daran, dass niemand versteht, wann er warum zum Einsatz kommt. Von „Willkür“ ist dann schnell die Rede, weil jeder Fan den subjektiven Eindruck hat, sein Verein werde systematisch benachteiligt. Tatsächlich hält sich hartnäckig der Mythos, der VAR dürfe ausschließlich bei „klaren Fehlern“ des Feldschiris zum Einsatz kommen. So wurde es vor über fünf Jahren bei Einführung zunächst kommuniziert und versprochen. Später stellte sich heraus, dass die Regelhüter daneben noch einen weiteren Einsatzbereich für den VAR vorgesehen haben, den so genannten „serious missed incident“. Wenn der Feldschiedsrichter eine Situation nicht oder falsch wahrgenommen hat, dann soll er auch bei ggf. uneindeutigen Situationen eine Chance zum „field review“ bekommen und sich die Szene am Spielfeldrand selbst im TV ansehen. Ein "klarer, offensichtlicher Fehler" muss in diesem Fall nicht unbedingt gegeben sein, denn der Schiedsrichter soll die auf dem Feld nicht oder falsch wahrgenommene Szene mit Hilfe der TV-Bilder völlig neu bewerten. Aufgrund der fehlenden Transparenz stellt sich für den Zuschauer – im Stadion noch viel mehr als vor dem Fernseher – jedes Mal aufs Neue die Frage, warum der Eingriff denn im vorliegenden Fall erfolgt sein mag. Hat der VAR einen klaren Fehler gesehen oder lag es doch an der fehlerhaften Wahrnehmung des Schiedsrichters auf dem Feld. Und welche Wahrnehmung hatte dieser? Welche hatte der VAR? Wie wurde dies zwischen den beiden kommuniziert. All dies ist dem Außenstehenden nicht zu vermitteln – schon gar nicht, wenn er so emotional involviert ist wie ein Fußballfan. Subjektive Wahrnehmungen können auf dieser hoch emotionalen Ebene nur schwer nachvollzogen werden, weil sie bei jedem Menschen subjektiv anders erfolgen. Der VAR täte gut daran, zu seinem ursprünglichen Versprechen zurückzukehren, ausschließlich bei klaren Fehlentscheidungen auf dem Feld eingreifen zu dürfen. Auch hier würde es noch zu Diskussionen kommen, da die Frage, was klar oder eindeutig ist, ebenfalls subjektiv unterschiedlich beantwortet werden kann. Dies ist aber deutlich seltener der Fall und für den Fan besser nachzuvollziehen als die zahlreichen Situationen, die sich durch die zusätzliche Wahrnehmungs-Komponente ergeben. Forderung 3: Gebt der Challenge eine Chance! Eine der beliebtesten Forderungen rund um den VAR ist die der Challenges. Idee: Jede Mannschaft erhält pro Partie bis zu zwei oder drei Möglichkeiten, bei strittigen Aktionen eine Challenge zu beantragen, sodass sich der Schiedsrichter die Szene am TV ansehen kann. Dies würde dazu beitragen, dass zumindest der Einsatz des VAR nicht mehr dem Schiedsrichter-Team angelastet werden könnte. Die meisten Diskussionen würde es allerdings nur verlagern, denn noch immer wäre es einzig der Schiedsrichter, der die Szene subjektiv – manche werden schreien „willkürlich“ – bewertet und eine Entscheidung trifft. Auch diese wird nicht immer im Sinne jedes Fans ausfallen (können). Einen Nachteil bietet die Challenge zudem, da sie taktisch eingesetzt werden kann – indem der Trainer z. B. eine relativ belanglose Szene für eine willkommene Auszeit nutzt, um eine Druckphase des Gegners zu unterbrechen. Es müssten daher in jedem Fall klare Vorgaben gesetzt werden, dass die Challenge nur bei bestimmten, eng gesteckten Spielsituationen zum Einsatz kommen darf. Insgesamt bin ich kein bedingungsloser Freund dieses Vorschlags, hielte aber einen Test in einer (kleineren) Liga für sinnvoll, um die praktische Umsetzbarkeit zu prüfen. Es wäre ggf. die Chance für einen Neuanfang des VAR, bei dem aus den Fehlern der erstmaligen Einführung vor fünf Jahren gelernt werden könnte. Forderung 4: Akzeptiert die menschliche Fehlbarkeit des Schiedsrichterteams – auch vor dem Fernseher! Es wäre viel gewonnen in der Diskussion, wenn wir uns alle damit abfinden könnten, dass der VAR nicht mehr und nicht weniger als ein Assistent des Schiedsrichters ist, der diesen mit Hilfe zumeist besserer Informationen unterstützt, der aber – gerade bei Grauzonenentscheidungen – auch menschliche Fehler machen kann. Es mag zwar der gefühlten Wahrnehmung entsprechen, mit Fehlern ohne VAR-Einwirkung emotional „besser“ leben zu können. Rational macht dies aber keinen Unterschied, wie der Fehler entsteht. Im Ergebnis ist ein Fehler ein Fehler. Die allermeiste Kritik am VAR wird ohnehin dann laut, wenn es auch ohne VAR-Unterstützung durch den Feldschiedsrichter zu derselben Entscheidung gekommen wäre. Schon der im Sprachgebrauch etablierte und auch von Funktionären inflationär gebrauchte Begriff „Videobeweis“ suggeriert eine Verbindlichkeit der VAR-Entscheidungen, die dieser niemals liefern kann. Wenn sich drei Personen eine komplizierte Spielsituation vor dem Fernseher anschauen, dann kann es am Ende gut und gerne vier verschiedene Meinungen zu dieser Szene geben. Dies ist im Kölner Keller ebenso möglich wie bei uns zuhause im Wohnzimmer. Forderung 5: Setzt dem VAR ein Zeitlimit für schnellere Entscheidungen! Wenn wir uns darauf einigen könnten, dass menschliche Fehler zum Schiedsrichterwesen dazugehören und „nur“ die Wahrscheinlichkeit für ihr Eintreten reduziert wird, könnten wir lieber darüber reden, wie sich der VAR fanfreundlicher umsetzen ließe. Was tatsächlich nervt sind nämlich die oft viel zu langen Pausen, die durch den VAR verursacht werden. Dies ist wiederum nicht unwesentlich den endlosen Diskussionen im Falle einer (vermeintlich) fehlerhaften Entscheidung geschuldet. Wenn Du als Schiedsrichter weißt, dass Du bei jeder subjektiv strittigen Aktion anschließend von den Fans der betroffenen Vereine für Tage durchs soziale Medien-Dorf getrieben wirst, dann wirst Du Dir so viel Zeit nehmen wie nötig, um Deine Entscheidung so gut wie möglich abzusichern. Besser für das Spiel wäre es, wenn der VAR innerhalb eines eng abgestimmten Zeitrahmens (z. B. innerhalb von einer Minute) auf Basis der in diesem Zeitraum vorliegenden Bilder urteilen würde. Alles, was er in dieser Zeit nicht eindeutig entscheiden kann, ist offensichtlich nicht eindeutig genug und sollte daher nicht verändert werden. Dies könnte aber nur funktionieren, wenn anschließend akzeptiert würde, dass einige Entscheidungen nicht verändert werden, die aus Sicht mancher emotionaler Fans „eindeutig als falsch“ hätten erkannt werden müssen. Es kann und muss allein im Ermessen des Schiedsrichter-Teams liegen, was als „eindeutiger Fehler“ gilt bzw. in der vorliegenden Zeit erkennbar war. Darüber darf sich hinterher aufgeregt werden, wenn man anderer Meinung ist. Es hilft aber nicht, wenn gleich jede subjektiv strittige Entscheidung direkt zu einer Generalabrechnung mit dem ganzen Verband oder dem VAR-System hochstilisiert wird. Wer den Schiedsrichtern per se mit der Einstellung entgegentritt, dass sie ohnehin alle nur korrupt sind und den eigenen Verein aus Prinzip benachteiligen möchten, der wird sich darauf natürlich nicht einlassen können. Der sollte sich dann aber auch nie wieder über Tobias Levels und seine verrückten Verschwörungstheorien lustig machen. Forderung 6: Akzeptiert die statistischen und logischen Fakten zum VAR! Widmen wir uns einmal dem unterschätzten Gebiet der Wahrscheinlichkeitsrechnung, das in vielen Fragen des Alltags eine wesentliche Entscheidungshilfe bietet. So z. B. bei den folgenden hoch emotionalen Diskussionsthemen dieser Tage: Wer gegen das Corona-Virus geimpft ist, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht an Corona erkranken als ein Ungeimpfter. Trotzdem kann er das Virus weiterhin bekommen und sogar daran sterben. Er erleidet aber mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf. Wer eine Maske trägt, der schützt sich und seine Mitmenschen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vor einer Virusinfektion. Trotzdem kann es weiterhin zu einer Übertragung kommen. Wer regelmäßig mit 130 km/h über die Autobahn fährt, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit unfallfrei bleiben, als wenn er 240 km/h fährt. Er kann aber trotzdem noch immer einen Unfall verursachen oder gar sterben. Letzteres wird allerdings mit relativ höherer Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Wer als Schiedsrichter auf Basis besserer Informationen, wie z. B. den Fernsehbildern gegenüber den Live-Bildern seiner Augen auf dem Feld, entscheidet, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit richtige(re) Entscheidungen treffen. Fehler wird er weiterhin machen, nur eben seltener. Dies alles ergibt sich logisch aus den Grundprinzipien der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Es veranschaulicht u. a., dass Impfungen oder Masken im Durchschnitt sinnvolle Maßnahmen gegen das Corona-Virus sind – selbst wenn sie in Einzelfällen nicht oder sogar negativ wirken mögen. Eine Vermittlung dieses Denkprinzips zur rationalen Entscheidungsfindung wäre schon zu Schulzeiten viel stärker von Nöten. Leider gibt es nämlich sehr viele Menschen, die mit diesen axiomatischen Grundprinzipien nichts anfangen können und sich stattdessen lieber auf ihre „gefühlte Wirklichkeit“ verlassen. Um nicht falsch verstanden zu werden: Es gibt durchaus Argumente gegen das Tempolimit oder den VAR. Wer gerne schnell Auto fährt und mehr Wert legt auf einen entsprechenden Zeitgewinn als auf Sicherheit im Straßenverkehr, der darf dies in einer Demokratie gerne vertreten. Es ist aber Unsinn zu bestreiten, dass ein Tempolimit das Unfallrisiko und den CO2-Ausstoss senken würde. Genauso gibt es gute Argumente gegen den VAR. Wer z. B. den Spielfluss ohne Unterbrechungen und einen direkten, ungetrübten Torjubel höher schätzt als die mögliche Reduzierung von Fehlern, der kann guten Gewissens eine Abschaffung des VAR für sinnvoll erachten. Es ist aber Unsinn zu negieren, dass eine VAR-Unterstützung die Zahl der Fehlentscheidungen senkt. Unabhängig von zahlreichen Studien und Messungen, die diese Punkte unzweifelhaft nachweisen, folgen die oben aufgeführten Beispiele schon allein den Gesetzen der Logik und bedürfen daher keiner weiteren Diskussion. Warum haben sehr viele Fußballfans trotzdem den Eindruck als würde der VAR häufiger daneben liegen als helfen und letztlich sogar eher die Zahl der Fehlentscheidungen erhöhen? Das Problem besteht u. a. in der menschlichen Eigenheit, Empörung deutlich stärker zu äußern als Freude. In der Wahrnehmung der emotionalisierten Fußballfans werden daher regelmäßig nur die (vermeintlichen) Negativbeispiele des VAR hitzig diskutiert – oft verbunden mit einem stumpfen „Schafft ihn ab!1!!1!“. Als zuletzt gegen Union Berlin zwei Gegentore durch den VAR zurecht aberkannt wurden, war dies in Borussias Fangemeinde dagegen kein Thema und wurde stillschweigend zur Kenntnis genommen. Wer erinnert sich noch daran, dass Borussia in München bereits früh mit 0:1 hinten lag, ehe der VAR einschritt und den Treffer wegen klarer Abseitsstellung zurücknahm? Zuletzt gegen Stuttgart hatte der Verein Glück, dass Rami Bensebaini nicht früh vom Platz gestellt wurde, wie es die erbosten Gästefans vehement einforderten. Vehement sind aber immer nur die Fans der Vereine, die von einer VAR-Entscheidung negativ betroffen sind. Insgesamt hat der VAR in dieser Saison bereits rund 50 klare Fehlentscheidungen in der 1. Bundesliga revidiert. Wie eine Welt ohne VAR aussehen würde, bekam Borussia zuletzt im DFB-Pokal zu spüren, wo ihr ein glasklarer Elfmeter verweigert wurde, der mit VAR zu 95% gepfiffen worden wäre. Es ist alles andere als absurd zu vermuten, dass Borussia mit einem VAR sehr wahrscheinlich im Pokal hätte überwintern dürfen. Es ist gut und wichtig, dass Fußballfans emotional auf die Geschehnisse auf dem Rasen reagieren. Genau das macht den Fußball aus und trennt Vereine wie Borussia von Konstrukten wie in Fuschl am See oder Sinsheim. Zur Emotionalität gehört es dazu, dass man sich über Schiedsrichter-Aktionen gegen den eigenen Verein ärgert – ganz besonders dann, wenn dies dem eigenen Rechtsempfinden so sehr zuwider läuft wie in Bochum. Nichts und niemand sollte dem Fußballsport jemals diese Emotionalität nehmen. Sie darf aber nicht Maßstab sein für die Beurteilung eines Instruments, das rational betrachtet ohne jeden Zweifel – selbst in der mangelhaften Umsetzung des DFB – relativ erfolgreich funktioniert. Emotional hat der VAR selbst bei perfekter Umsetzung niemals eine Chance. Hätte der Schiedsrichter am vergangenen Dienstag auf Tor entschieden, wäre das Gejammer auf Seiten der Bochumer Fans groß gewesen, die hier zwingend einen VAR-Eingriff verlangt hätten – unterstützt durch den DFB und die Medienmacht von Sky, kicker und Co. So ist es letztlich bei allen Grauzonenentscheidungen, die durch die Fanbrille immer noch am leichtesten zu beurteilen sind. Auch bei ihnen gilt der Grundsatz der Wahrscheinlichkeitsrechnung: Auf Basis besserer Informationen, d. h. mit TV-Unterstützung werden im Durchschnitt unzweifelhaft bessere Entscheidungen gefällt. Diese müssen aber nicht unbedingt „besser“ im Sinne der betroffenen Fans ausfallen, sondern allein auf Grundlage der Beurteilung des im Zweifel trotz allem etwas regelkundigeren Schiedsrichters. Wie erfolgreich dies am langen Ende umgesetzt wird, hängt selbstverständlich stark an den Vorgaben der Regelhüter und an der Qualität des Schiedsrichters, die bei den Vertretern des DFB sehr stark schwankt. Ein Sven Jablonsky z. B. fällt nicht ohne Grund weit seltener negativ auf als ein Sascha Stegemann. Forderung 7: Professionalisiert die Schiedsrichter! Ja, Schiedsrichter verdienen im Profibereich schon jetzt sehr viel Geld und werden umfangreich geschult. Es ist trotzdem schwer nachzuvollziehen, warum sie offiziell noch immer nicht als Profis gelten, sondern teilweise nebenberuflich anderen Berufen nachgehen (dürfen/müssen). Es geht im Fußball um so viel Geld, dass man von den Schiedsrichtern verlangen kann, sich gezielt und vollständig auf diesen Job zu konzentrieren. Verknüpft werden sollte dieses Upgrade mit regelmäßigen gemeinsamen Videoschulungen, bei denen alle Profischiedsrichter – gerne 3-4 Stunden jeden Wochentag – bis zum Umfallen ausgewählte Spielszenen zu bestimmten Streitthemen anschauen und sich auf eine möglichst einheitliche Linie einschwören. Es ist z. B. unfassbar, von Manuel Gräfe zu hören, dass nicht einmal nach einem Bundesliga-Spieltag eine gemeinsame Auswertung und Analyse der jeweils strittigen Szenen erfolgt. Wie sollen die Schiedsrichter dann effektiv aus ihren Fehlern lernen? Solange Menschen Entscheidungen treffen, wird es niemals eine zu 100 % einheitliche Linie geben können, denn die subjektive Wahrnehmung sorgt ganz automatisch dafür, dass zwei Menschen dieselbe Situation ggf. unterschiedlich bewerten. Dies gilt auf dem Feld wie – in geringerem Maße – selbst vor dem Fernseher. Was man aber durch entsprechende Wiederholungen und Schulungen erreichen kann, ist den Grad der Einheitlichkeit deutlich zu erhöhen. Dies sollte durch eine Professionalisierung verbessert werden können. Davon abgesehen sollte aber die Erwartungshaltung gedämpft werden, dass professionelle Schiedsrichter automatisch sofort besser pfeifen werden. Hier bedarf es eines längerfristigen Prozesses, da in den vergangenen Jahrzehnten beim DFB vieles in die falsche Richtung gelaufen ist. Forderung 8: Schafft Strukturen im DFB, die das Leistungsprinzip wahren und Korruption verhindern! Beim DFB haben sich verheerende Strukturen gebildet, die ganz offensichtlich wenig mit einem Leistungsprinzip und viel mehr mit Günstlingswirtschaft zu tun haben. Eng verknüpft ist dies bei den Schiedsrichtern mit dem Namen Hellmut Krug, der bis 2017 als Schiedsrichter-Manager und Projektleiter für den VAR wesentlichen Einfluss auf das Schiedsrichterwesen im DFB genommen hat. Mit Lutz-Michael Fröhlich, Dr. Jochen Drees und Peter Sippel sind die Zuständigkeiten seit einigen Jahren neu verteilt. Auch an der DFB-Spitze steht mit Bernd Neuendorf seit März dieses Jahres ein neuer Präsident, der sich – anders als einige seiner Vorgänger – immerhin noch nicht mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sieht. Für einen DFB-Präsidenten ist er bislang fast schon unverschämt unverdächtig. Doch der DFB könnte selbst die reinkarnierte Mutter Theresa oder das gesamte Nonnenkloster von Bad Salzuflen an seine Spitze befördern und würde trotzdem immer unter Generalverdacht stehen, für Geld notfalls alles zu tun. Diesen Ruf haben sie sich über Jahrzehnte hart erarbeitet. Und wenn man ehrlich ist, so sind derartig korruptionsfreundliche Strukturen bei Verbänden ab einer gewissen Größe eher die Regel als die Ausnahme. Wenn es um die Verteilung von Macht und Geld geht, ist Filz und Vetternwirtschaft leider nahezu unvermeidlich. Da passiert beim DFB nichts Anderes als z. B. bei UEFA, FIFA oder IOC. Deshalb braucht es großen Optimismus, um daran zu glauben, die Strukturen im DFB würden sich jemals nachhaltig bessern können – schon gar nicht in den Augen der Fans, für die der „Scheiß DFB“ ganz weit oben auf der Hassliste steht, irgendwo zwischen Red Bull und der Mutter von Dietmar Hopp. Dennoch sollte jeder der neu Verantwortlichen beim DFB hart darum kämpfen, das Image so weit wie irgend möglich zu bessern – auch wenn es ein langer Weg ist, der letztlich niemals zu 100 % wird beendet werden können. Die FIFA hat hier ein gutes Vorbild geliefert, indem sie den für Integrität stehenden Ex-Schiedsrichter Pierluigi Collina an die Spitze des Schiedsrichter-Wesens gesetzt haben. Entsprechend positiv waren die Bewertungen dessen Wirkens bei der vergangenen Weltmeisterschaft. Nicht hilfreich ist es dagegen z. B., wenn der DFB mit Felix Zwayer einen der Protagonisten aus dem Hoyzer-Skandal weiterhin auf höchster Ebene pfeifen lässt. Dessen Beteiligung hätte damals entweder lückenlos und einwandfrei aufgeklärt werden müssen oder man hätte ihn mindestens aus dem Profibereich entfernen müssen. Dass beides bis heute nicht geschehen ist, ist nur eine der zahlreichen Anekdoten, die dem DFB jede Glaubwürdigkeit nehmen. Die Rosenkriege mit den renommierten Ex-Schiedsrichtern Manuel Gräfe und Babak Rafati sind weitere Indizien dafür, dass im Schiedsrichterwesen des DFB einiges im Argen liegt. Solche erfahrenen Leute müssten vielmehr konstruktiv in die bestehenden Strukturen eingebaut werden, um mit größtmöglicher Kompetenz und Integrität für mehr Vertrauen in der Fanbasis zu werben. Forderung 9: Schafft endlich mehr Transparenz! Vertrauen kann zudem nur zurückgewonnen werden mit einer gnadenlosen-Transparenzstrategie. Der DFB benötigt dringend ein umfangreiches Internetportal, wo alle Fakten und Daten zu seinen Schiedsrichtern und deren Entscheidungen abgebildet werden. Dort sollten sehr zeitnah nach den Spielen aller Profiligen von einer eindeutigen DFB-Regelinstanz zu ALLEN strittigen Szenen klar Stellung bezogen werden. In besonders diskutierten Fällen gerne auch mit einem erklärenden Video. Jeder Fan sollte transparent nachvollziehen können, warum das Schiedsrichter-Team wie agiert hat und wie dies vom DFB offiziell bewertet wird. Zudem sollten auf diesem DFB-Schiedsrichter-Portal die Leistungsbewertungen der Schiedsrichter nach jeder Partie offengelegt werden – verbunden mit einer kurzen Begründung des Schiedsrichter-Beobachters. So könnte jeder zum Saisonende transparent nachvollziehen, warum welche Schiedsrichter in den Ligen auf- und absteigen und wie das Leistungsprinzip greift. Da dies nicht geschieht, stellt sich dem aufmerksamen Zuschauer die Frage, warum einige Schiedsrichter seit Jahren in der 1. Liga pfeifen dürfen, obwohl sie immer wieder im Mittelpunkt höchst strittiger Entscheidungen stehen und bei neutralen Fachmagazinen regelmäßig als schlechteste Vertreter ihrer Zunft bewertet werden. Auch beim VAR ist eine Transparenzstrategie mehr als überfällig. Es ist unerträglich, dass gerade die Fans im Stadion über Minuten hinweg im Dunkeln darüber gelassen werden, welche Szene der Schiedsrichter womöglich gerade auf welche Weise zu prüfen gedenkt. Im Idealfall sollte die strittige Szene auf der Leinwand zu sehen sein und ggf. der Funkverkehr des Schiedsrichter-Teams veröffentlicht werden. Forderung 10: Konzentriert Euch wieder mehr auf den Fußball! Alles in allem gibt es viel zu verbessern beim DFB, bei der Umsetzung des VAR und bei einzelnen Regeln, die in den letzten Jahrzehnten – zum Teil schon weit vor Einführung des VAR – regelmäßig verschlimmbessert wurden. Hier bedarf es u. a. eines rigorosen Umdenkens im DFB, der sich strukturell-personell verändern muss und einen weiten Weg zu gehen hat, um sich das über Jahrzehnte hinweg verlorene Vertrauen der Fußballfans zumindest zum Teil zurückzuverdienen. Aber auch wir Fans sollten uns in dieser Debatte hinterfragen, inwieweit wir es uns mit unserer extremen Fokussierung auf (vermeintlich) falsche Schiedsrichter-Entscheidungen nicht zu leicht machen und nicht selten von viel größeren Fehlern unserer eigenen Mannschaft ablenken. Die Suche nach einem externen Sündenbock ist stets bequem und verlockend, führt aber in der langen Frist selten zu fruchtbaren Ergebnissen. Nur selten sind Fehler so klar und eindeutig wie z. B. beim unterlassenen Elfmeterpfiff in der Partie Frankfurt – Dortmund. Solch menschliches Versagen wird es immer geben, solange Menschen urteilen. Bei den allermeisten Streitfragen gibt es dagegen zumeist unterschiedliche Auffassungen darüber, welche Entscheidung richtig oder besser gewesen wäre. Es ist kein Problem, dass wir emotionalen Fans durch unsere Fanbrille von unserer Sichtweise hundertprozentig überzeugt sind. Wir sollten aber lernen anzuerkennen, dass es auch andere Meinungen geben kann und dass es letztlich einzig im Ermessen des Schiedsrichters liegt, welche subjektive Auffassung er von einer Szene hat. Im Zweifel sind selbst die qualitativ optimierungsbedürftigen Schiedsrichter des DFB regelkundiger als wir Fans und kennen die Vorgaben ihres Verbands, die nun einmal Grundlage für ihre Spielleitung sind. Die Wut vieler fokussiert sich primär auf das Instrument VAR, der in den meisten Fällen – wie in Bochum – gar nichts dafür kann oder zumindest nichts wirklich verschlechtert. Das ist zwar nicht wirklich rational, im hyper-emotionalisierten Fußballsport aber verständlich. Ein Beispiel für die irrationale Paradoxität der Diskussion: VAR-Gegner wenden u. a. ein, dass sie lieber in einer Welt ohne Technik, aber dafür mit (deutlich) mehr Fehlentscheidungen leben möchten. Ihre gesamte Diskussion dreht sich jedoch letztlich einzig um allein um (vermeintliche) Fehlentscheidungen. Wenn ihnen diese in Wahrheit gar nicht so wichtig sind, warum dann überhaupt die ganze Aufregung? Lieber sollten sie versuchen, sich diese (angebliche) Gelassenheit auch bei Entscheidungen mit Hilfe des VAR anzutrainieren. Gefühlte Wahrheiten sind in einem so emotionalen Sport zwar unbedingt zu beachten, sollten aber in der Endbeurteilung nicht stärker gewichtet werden als die rationalen Fakten. Diese sprechen selbst in dieser Hinrunde, die wahrlich nicht optimal für die Schiedsrichter-Zunft des DFB verlaufen ist, eindeutig und unzweifelhaft für die Vorteilhaftigkeit des VAR, was die Reduzierung von Fehlentscheidungen angeht. Von daher darf und wird es kein Zurück mehr geben in die Fußball-Steinzeit. Wie unsere Betrachtung gezeigt haben sollte, liegen die Probleme weit tiefgründiger - insbesondere in den Strukturen des DFB und der Qualität einzelner Schiedsrichter, die nicht nach Leistung aufgestellt und zudem unzureichend vorbereitet werden. Es ist an der Zeit, die Diskussion endlich konstruktiv und zielgerichtet auf eine Verbesserung dieser Aspekte auszurichten, wozu dieser Artikel hoffentlich seinen Beitrag geleistet haben wird.


14. Nov 2022

Wes Geistes Kind?

Mit einem guten Gefühl in die lange fußballfreie Zeit. Darüber wollen wir uns nicht beschweren. Borussia hat das Fußballjahr 2022 mit einem schönen Erfolg abgeschlossen. Der Sieg über den Ballsportverein Dortmund war verdient, schön anzusehen und bringt drei wichtige Punkte im Kampf um die Einstelligkeit – oder was auch immer Borussia meint, in dieser Spielzeit erreichen zu können und zu wollen. In der zweiten Halbzeit war die Partie erstaunlich einseitig, niemand hätte sich beschweren dürfen, wäre der Sieg noch um ein-zwei Tore höher ausgefallen. Marcus Thuram allein hätte das Resultat in seinem womöglich letzten Spiel für Borussia noch höher schrauben können. Aber auch so reichte der Auftritt gegen Dortmund, um von Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps als letzter Spieler in das Aufgebot für die Spiele des Grauens in Katar nominiert zu werden. Dem Marktwert des Angreifers wird das weiteren Auftrieb geben, so dass ein Verkauf im Winter trotz des enormen Wertes von Thuram für das Spiel der Gladbacher Mannschaft geboten scheint. Auch der zweite potenzielle Verkaufskandidat machte mit einer starken Leistung und einem Tor auf sich aufmerksam. Ramy Bensebaini zu halten, haben sich Roland Virkus und Konsorten ganz offenbar schon abgeschminkt. Ob der Algerier Lust verspürt, Borussia noch im Winter zu verlassen oder ob er bis zum Sommer wartet, ist offen. Denkbar ist, dass er eine mögliche Ablösesumme in Form von Handgeld nach der Saison gerne selbst einsacken möchte. Dortmund als möglicher neuer Arbeitgeber wird gerne bis dahin warten. Meister wird der BvB in dieser Spielzeit ohnehin nicht mehr. Neben großer Freude über den Sieg mischte sich bei vielen Borussia-Fans am Freitagabend auch Unverständnis. Zu groß war die Diskrepanz zwischen der Darbietung im Borussia-Park an diesem Abend und der Leistung drei Tage zuvor im Bochumer Ruhrstadion. War der engagierte Auftritt gegen Dortmund Folge der Selbsterkenntnis, die Aufgabe in Bochum falsch angegangen zu sein. War er Folge einer schmerzhaften Kopfwäsche durch Trainer Daniel Farke? Oder kann diese Mannschaft sich nur motivieren, wenn sie sich der großen Bühne gegen einen Top-Gegner bewusst ist? Vor dem Dortmund-Spiel hatten Daniel Farke und Roland Virkus eine bemerkenswert unterschiedliche Interpretation des Offenbarungseides von Bochum geliefert. Hatte Farke ein Problem mit der Geisteshaltung der Mannschaft ausgemacht, stritt Virkus genau das ab und vermutete eher mangelnde „Skills“ der Spieler als Grund für diesen und andere weniger als ausreichende Auftritte in dieser Saison. Nun ist weder das eine noch das andere eine sonderlich schmeichelhafte Diagnose sowohl für das Team als auch für das eigene Wirken eines Trainers und eines Sportdirektors. Nach dem Sieg gegen Dortmund muss man aber konstatieren: Die Skills sind weitgehend vorhanden, die schafft sich kein Spieler innerhalb von drei Tagen drauf. Die Geisteshaltung dagegen lässt sich leichter verändern. Die Diagnose von Daniel Farke scheint der Wahrheit näher zu kommen, als die von Roland Virkus. Was allerdings die Frage nicht klärt, woraus die ungute Haltung vor Spielen wie in Bochum resultiert. Ist es der Charakter einzelner Spieler? Ist es die Zusammensetzung der Mannschaft, die dem Team insgesamt einen volatilen Charakter verleiht? Ist es die Ansprache durch den Trainer? Das Klima im Verein? Eine intensive und schonungslose interne Analyse wäre vonnöten, auch wenn Borussia vielen eher als Wohlfühloase denn als Hort der Selbstkritik gilt. Nach dem Dortmundspiel hat zumindest Daniel Farke zurück zur gewohnten Geisteshaltung gefunden, und die ist zumindest nach außen eher sanft und wenig selbst- oder mannschaftskritisch. Nach dem Bochum-Spiel offenkundig angefressen, schwenkt der Trainer zurück auf die Linie, dass doch eigentlich alles ganz töfte ist. Der Verweis, wonach die Punkteausbeute nach dem 15. Spieltag besser ist, als vor einem Jahr zur gleichen Zeit, erinnert an den von einigen zur Brandrede stilisierten „Wissense“-Monolog vor dem Spiel gegen Mainz 05. Man kann nur hoffen, dass das wirklich nur Folklore für die Außenwelt ist. Zum Thema Skills und Virkus darf man annehmen, dass er seine eigenen in den kommenden Wochen bis zum Neustart der Bundesliga-Saison in die Waagschale wird werfen müssen. Es gilt, Einnahmen zu generieren und bestenfalls personell schon nachzusteuern, um nach der Winterpause eine schlagkräftige(re) Mannschaft aufs Feld schicken zu können. Damit Spiele wie gegen Dortmund in Zukunft auch mal gegen weniger strahlkräftige Gegner gelingen.


11. Nov 2022

Von Skills und Geisteshaltungen

Es ist vollbracht. Mit dem Gastspiel des BVB im Borussia-Park wird das sehr durchwachsen verlaufene Fußball-Jahr 2022 zu einem hoffentlich noch halbwegs versöhnlichen Abschluss gebracht. Mehr als Mittelmaß ist für die Gladbacher allerdings selbst bei einem weiteren Heimsieg nicht mehr zu erreichen. Nicht wenige befürchten nach der trostlosen Vorstellung im Bochumer Ruhrstadion sogar, dass das Borussen-Jahr ähnlich enden könnte, wie es im Januar begann – mit einem bösen Knall und vielen Tränen. Noch Anfang des vergangenen Monats fiel das Zwischenfazit der meisten Beobachter für diese Hinrunde sehr positiv aus. Borussia hatte das Derby am 9. Spieltag mit 5:2 gewonnen und sich auf den 6. Tabellenplatz vorgearbeitet. Seitdem wurde die Stimmung durch eine Serie von 4 Niederlagen – bei nur je einem Remis und Sieg – stark eingetrübt. Neben dem bitteren Pokalaus und der Niederlage beim Tabellenvorletzten schmerzt besonders die stark erhöhte Anzahl der Gegentore. Im Durchschnitt waren es zuletzt zwei pro Partie, was durch eine zunehmend indiskutabel auftretende Defensive erklärbar wird. Wenn es schlecht läuft, werden schnell die Rufe nach – zumeist jungen, talentierten – Alternativen laut. Spieler aus der eigenen Jugend haben den Vorteil, dass man sie noch nicht wirklich kennt, ihnen aber eher einmal einen schlechten Auftritt verzeiht. Zudem erinnern wir uns alle gern an die Positivbeispiele von jungen Talenten, die ins kalte Wasser geschmissen wurden und sich direkt auf großer Bühne behaupteten – selbst wenn diese nicht selten später beim Gegner vom heutigen Abend landeten. In Borges Sanches, Reitz oder Noß scheint Daniel Farke bisher noch nicht das ganz große Vertrauen gefasst zu haben. Dabei ist er aus seiner Zeit in England bekannt dafür, junge unbekannte Akteure zu fördern und sie zu entwickeln. Sein gegenüber Borussias aktuellen Talenten leider noch zurückhaltendes Urteil sollte daher ein gewisses Gewicht haben. Gleiches gilt dafür, dass er es zu Saisonbeginn Louis Jordan Beyer im Vergleich zu Spielern wie Friedrich, Elvedi, Lainer oder Scally schwächer einschätzte. Dies schmerzt den Fan gerade bei einem echten Borussen – zudem noch dem einzigen Eigengewächs seit Jahren, bei dem zwischenzeitlich Hoffnung auf einen Bundesliga-Durchbruch bestand (und weiter besteht). Die Fakten bestätigen aber leider eher das skeptische Bild von Farke. In seinen vier Jahren bei Borussia hat Beyer lediglich 24 Bundesliga-Spiele über mehr als eine Halbzeit bestritten. In der vergangenen Saison konnte er immerhin 15 Partien über diese Distanz absolvieren, bei denen er zumindest Bundesliga-Niveau offenbarte. Insgesamt waren es aber zu wenige gute Spiele, um bereits von seinem Durchbruch sprechen zu können. Bei aller Skepsis, die man gegenüber der Notengebung des kicker äußern kann: In 7 der 15 Partien wurde Beyer vom Fachmagazin mit der Note 4 oder schlechter bewertet. Nichtsdestotrotz war die Entscheidung fragwürdig, die ohnehin schon sehr dürftige Breite im Kader durch die Leihe eines bundesligatauglichen Defensivspielers nach England weiter zu verringern. Dort steht er inzwischen auf Tabellenplatz 1 der zweiten englischen Liga und hat schon einige positive Kritiken bekommen. In den letzten beiden Partien sah aber auch er bei einigen Gegentore sehr unglücklich aus und irrlichterte zuletzt beim 2:5 bei Sheffield United derart hilflos durch den eigenen Strafraum, dass er ganz hervorragend in die aktuelle Viererkette der Borussia passen würde. Sein Talent soll damit gar nicht madig gemacht, sondern nur realistisch eingeordnet werden. Mit 22 Jahren ist er immer noch entwicklungsfähig und hat im vergangenen Jahr einen erfreulichen Sprung gemacht, der ihn perspektivisch doch noch zu einem Durchbruch im Profifußball und hoffentlich bei Borussia verhelfen kann. Es wäre fahrlässig, sollte sich Roland Virkus bei ihm auf eine Kaufoption eingelassen haben. So naiv es wäre, in Spielern wie Beyer den potenziellen Heilsbringer für ein Ende der schwachen Defensivleistung zu sehen, so sollte er dennoch genau im Blick behalten werden. Ein gestandener Verteidiger aus eigenem Anbau würde Borussia endlich mal wieder gut zu Gesicht stehen. Während Beyer vorläufig für Borussia nicht verfügbar sein wird, kehrt mit Ko Itakura der beste Innenverteidiger aus der weit stabileren Saisonstartphase wieder in den Kader zurück. Daniel Farke machte in der Pressekonferenz allerdings klar, dass dies eher symbolischen Charakter hat und der Japaner kein ernsthafter Kandidat für einen Einsatz sein wird. Spielpraxis wird er stattdessen demnächst in Katar erhalten. Eine etwas fragwürdige Entscheidung des japanischen Verbands angesichts der langen Verletzungspause und man kann nur hoffen, dass sich dieser Ehrgeiz nicht rächen wird. Andererseits kann man es dem Spieler und den Japanern nicht wirklich verdenken. Trotz der fragwürdigen Umstände dieses Events ist und bleibt eine Weltmeisterschaft das größte, was ein Fußballspieler in seinem Leben erreichen kann. Daher hat sich Itakura diese Nominierung – nicht zuletzt durch seine starken Leistungen zu Saisonbeginn – verdient und er wird hoffentlich gestärkt (und vor allem fit) aus dem Wüstenstaat zurückkommen. Würde die Bundesliga nicht durch diese unsägliche Winter-WM unterbrochen, hätte auch Borussia ihn irgendwann in den nächsten Wochen wieder Fußball spielen lassen. Warum sollte dies den Japanern dann beim größten Event der Welt versagt werden? Ähnliches gilt für Yann Sommer, der heute Abend ebenfalls noch immer nicht spielfähig sein wird und dennoch aller Voraussicht nach für die Schweiz im WM-Tor steht. Eigentlich wäre er – neben Elvedi – ein guter Grund, um die Eidgenossen in den kommenden Wochen anzufeuern. Mit Blick auf seine weiterhin ungesicherte Zukunft ergibt sich dem Borussen-Fan aber ein zwiespältiges Bild. Einerseits freut es einen ungemein, wenn die unbestrittene Klasse von Borussias Nr. 1 auch weltweit Anerkennung findet. Andererseits wird jede Sommer-Parade bei der Winter-WM die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass er ab kommendem Juli für einen anderen Verein im Tor stehen wird. Gegen den BVB wird dies dagegen erneut Jan Olschowsky vergönnt sein. In Bochum bekam der letztlich gar nicht so schrecklich viel zu tun. An den beiden Gegentoren war er schuldlos. Allzu viele Großchancen hatten die Gastgeber ansonsten nicht. Dennoch überzeugte der Youngster durch seine Souveränität und Gelassenheit, die ein ruhigeres Gefühl vermittelten als zuletzt so manche Male bei dem routinierten Tobias Sippel. Wirklich große Torhüter nutzen genau solche Gelegenheiten, um ihre Klasse unter Beweis zu stellen, die in den meisten Fällen auch schon in jungen Jahren erkennbar ist. Bei Borussia denkt man hier z. B. an Robert Enke oder Marc-André ter Stegen. Eine solche überzogene Erwartungshaltung sollte bei Olschowsky zwar nicht geweckt werden. Aber ähnlich wie bei Beyer wäre es sehr erfreulich, wenn sich mit ihm mal wieder ein Torwarttalent bei Borussia in den Vordergrund halten könnte, das zukünftig irgendwann einmal in die großen Fußstapfen von Yann Sommer tritt. Auf dem Feld stellt sich die Mannschaft für Daniel Farke beinahe von selbst auf. Seine Ausführungen in der Pressekonferenz haben deutlich erkennen lassen, wie nüchtern-realistisch er die Qualität der Spieler auf der Ersatzbank einstuft. Erstaunlich, dass er hierbei offensichtlich auch Lars Stindl mit einbezieht, indem er den offensiven Einsatz von Christoph Kramer in Bochum praktisch als „alternativlos“ einstufte. Gegen Dortmund wird Kramer notgedrungen neben Stindl auf dieser Position spielen müssen, da Alassane Plea coronaerkrankt ausfällt. Während die Gäste Spieler wie Hazard, Adeyemi, Can oder Modeste werden einwechseln können, sitzen bei Borussia Ngoumou, Herrmann und Lainer auf der Bank. Eine kleine Resthoffnung besteht bei den Westfalen noch darauf, dass Marco Reus seinen schon mehrfach erprobten Stunt wiederholen kann: Für das Spiel gegen seinen Ex-Verein gerade wieder fit zu werden, zu treffen, um kurz danach wieder für mehrere Monate verletzt auszufallen. Nach den jüngsten Meldungen aus Dortmund sieht es aber dann doch eher so aus, dass er in diesem Jahr in dieser Rolle ausfällt und nicht im Kader von Edin Terzic stehen wird. Der BVB-Trainer steht gehörig unter Druck, da sein Verein inzwischen schon wieder von den Bayern abgehängt worden ist. Ein Überwintern auf einem Champions-League-Platz wird voraussichtlich nur bei einem Auswärtssieg im Borussia-Park möglich sein. Die Statistik spricht dabei überraschend gegen sie. Während Dortmund in den letzten fünf Bundesliga-Auswärtsspielen vier Niederlagen kassierte, gewann Gladbach drei der letzten vier Heimspiele. Zudem konnte Borussia die letzten beiden Bundesliga-Heimspiele gegen die Schwarz-Gelben siegreich gestalten. Für die Elf von Daniel Farke geht es darum, zumindest die Einstelligkeit ins neue Jahr zu retten und den Anschluss an die internationalen Plätze nicht völlig zu verlieren. Dabei würde es helfen, wenn die Mannschaft wieder mit der richtigen „Geisteshaltung“ in die Partie starten würde. In Bochum war dies nicht der Fall, wie nicht nur der Trainer korrekt erkannte. Auf der Pressekonferenz vor dem Dortmund-Spiel relativierte er seine Aussagen vom Dienstagabend aber ein wenig, indem er der Mannschaft generell eine gute Geisteshaltung und Charakterstärke assistierte. Diese sei nur in Bochum „ausnahmsweise einmal“ irgendwie so nicht da gewesen, was zweifelsohne jeder Mannschaft einmal zugestanden werden muss. Die Argumentation verfängt sich aber, wenn man betrachtet, dass die Mannschaft in dieser Saison bereits siebenmal schläfrig in eine Partie startete. Da spricht schon einiges dafür, dass dies ein grundlegenderes Problem zu sein scheint, das einer grundlegenden Lösung bedarf. Roland Virkus erklärte die Defizite im Bochum-Spiel eher mit „fehlenden Skills“ und meinte hier insbesondere Attribute wie Aggressivität oder Bissigkeit, die von den Bochumern stärker in die Partie eingebracht wurden. Dass Borussia insgesamt die Skills fehlen sollen, um Gegner vom Kaliber Schalke, Darmstadt oder Bochum zu schlagen, würde wiederum kein gutes Licht auf seine Kaderpolitik werfen. Individuell hat Borussia aber weiterhin eine Startelf, die über alle Möglichkeiten verfügen sollte, solche Partien erfolgreich(er) zu bestreiten. Farke hat selbstverständlich Recht, dass es Anfangsphasen wie in Bochum immer geben kann. Auch Union und Frankfurt haben sich dort zuletzt schwergetan, sodass die Niederlage im Ruhrstadion für sich alleinstehend ebenso wenig problematisch ist wie die Pleiten zuvor gegen eben jene vorgenannten Teams. Schwierig ist es nur, wenn sich gewisse Grundmuster immer wiederholen, wenn die Mannschaft z. B. sehr häufig den Beginn verpennt, in so gut wie jeder Partie zwei Gegentore aufgrund indiskutabler Fehler fallen und man weiterhin zu oft den Eindruck bekommt, dass die Mannschaft nicht all die Skills aus sich herausholt, die sie in anderen Partien unter Beweis gestellt hat. Gerade in den wichtigen Spielen gegen unbequeme Gegner wie Leipzig, Köln oder Bayern waren die Leistungen stark. An diesem Freitag wird es wieder so ein wichtiges Spiel gegen einen bei vielen Fans verpönten Kontrahenten geben. Nicht nur angesichts der langen Winterpause wäre es wichtig, mit einem Sieg über den westfälischen Erzfeind für einen positiven Stimmungsabschluss dieses Fußballjahres zu sorgen. An der Geisteshaltung sollte es dabei ebenso wenig scheitern wie an den Skills von Borussias durchaus stattlicher Startformation. Borussia: Olschowsky – Scally, Friedrich, Elvedi, Bensebaini – Weigl, Kone – Hofmann, Kramer, Stindl – Thuram Dortmund: Kobel – Süle, Hummels, Schlotterbeck, Guerreiro – Özcan, Bellingham – Reyna, Brandt, Malen - Moukoko Michael Heinen: „Im Grunde spricht nicht viel für einen Heimsieg der Borussia, deren anfällige Defensive sich dafür enorm steigern müsste gegenüber den letzten Auftritten. Zum Jahresabschluss sollten wir aber eine optimistische Geisteshaltung vorleben und darauf vertrauen, dass sich die Mannschaft gegen nominell stärkere Gegner oft zu steigern versteht. So soll es auch am Freitag sein beim umjubelten 3:2-Erfolg der einzig wahren Borussia aus Mönchengladbach.“ Christian Spoo: „Kurz und schmerzvoll: 0:3“ Claus-Dieter Mayer: „Mit dem 1:1 gegen den BVB gleicht die Borussia ihre Bilanz gänzlich aus: 5 Siege, 5 Niederlagen, 5 Unentschieden, komplettes Mittelmaß.“ Michael Oehm: „Wenn man dieser Mannschaft gar nichts mehr zutraut, vermag sie zu überraschen: im letzten Spiel vor der WM trennen sich Borussia und Dortmund 1:1.“ Volkhard Patten: „Nach dem klaren 4:1 gegen die falsche Borussia – selbst Tennis Borussia Berlin wurde früher gegründet – überwintert die Elf vom Niederrhein mit Kontakt zu den Europapokalplätzen.“ Thomas Häcki: "Nach dem 1:5 wird die Winterpause dunkel, kalt und unruhig."


09. Nov 2022

Ohne Fiege ham wir keine Chance

Mit dem 1:2 beim Tabellenvorletzten aus Bochum hat Borussia seinen Platz im tristen Tabellenmittelfeld für die kommenden Monate zementiert. Selbst ein Sieg am kommenden Freitag gegen den BVB würde daran tabellarisch nicht mehr viel ändern, wenngleich er immerhin die theoretische Perspektive böte, im kommenden Jahr evtl. doch noch in den Kampf um die europäischen Plätze eingreifen zu können. Nach der abermals ernüchternden Auswärtsleistung in Bochum wird aber immer deutlicher, dass solch utopische Träume mit der aktuellen Mannschaft praktisch kaum umzusetzen sind. Verschlafene Anfangsphase Hoffenheim, Schalke, Mainz, Bremen, Darmstadt, Frankfurt, Bochum. Zum siebten Mal in dieser Saison gelang es der Fohlenelf, den Anfang einer Partie – gegen einen individuell zumeist schlechter besetzten Gegner – komplett zu verschlafen. Die Debatte um den vermeintlich (ir)regulären Treffer zum 2:2 darf ebenso wie die Verletztenmisere nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Borussia zum wiederholten Male in dieser Saison „mutlos, lauffaul, gedanklich langsam“ präsentierte, wie Daniel Farke nach dem Spiel schonungslos-berechtigt zu Protokoll gab. Sobald ein Gegner Einsatz und Willen zeigt, scheint Borussia überfordert, es ihm in diesen Punkten gleichzutun. Gegen geduldiges Spiel ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Es darf aber nicht die Grundtugenden ersetzen, mit denen ein jeder Bundesligaprofi in jedes Pflichtspiel gehen sollte. Immerhin traditionsbewusst ist die Mannschaft mit ihrer Rückbesinnung auf die alt-ehrwürdige Rolle als „Auswärtsdepp“. Auf fremden Plätzen konnte sie in dieser Saison bislang ausschließlich in Oberachern gewinnen. Bei den beiden derzeit schlechtesten Bundesligisten blieb sie ebenso sieglos wie beim Zweitliga-Tabellenführer. Das 0:0 in Freiburg war noch am ehesten als ordentlich anzusehen, weil zu diesem Zeitpunkt immerhin noch so etwas wie defensive Stabilität gegeben war. Verkorkste Defensive Seit dem 1:5-Debakel beim Aufsteiger aus Bremen ist diese aber vollständig dahin, sodass zwei Gegentore pro Partie inzwischen standardmäßig eingeplant werden können. Angesichts der indiskutablen Vorstellung fast aller Defensivakteure im Ruhrstadion konnte man froh sein, dass es der Gegner nach der frühen 2:0-Führung weitgehend dabei beließ, das Spiel zu kontrollieren und nur noch bei Bedarf zu kontern. Ein Bedarf, der aber lange Zeit nicht bestand, weil Borussia offensiv in der ersten Stunde der Partie so gut wie nichts anbot und offensichtlich auf den rettenden Becherwurf aus der Bochumer Fankurve wartete. Außer Rami Bensebaini konnte kein Defensivspieler seine Normalform abrufen. Bei Joe Scally ist dabei zu bedenken: Er ist und bleibt weiterhin 19 Jahre alt, was normalerweise kein Alter ist, in dem man wie selbstverständlich jedes Spiel absolviert. Er hat in seiner bisherigen Zeit bei Borussia ein für sein Alter beachtliches Potential gezeigt. Ebenso wird aber auch immer wieder deutlich, dass er noch viel zu lernen hat und gerade gegen schnelle Gegenspieler Antwi-Adjej (noch) oft überfordert wirkt. Versagende Führungsspieler Doch Kritik gebührt stärker den erfahrenen Spielern, die sich teilweise unerklärliche Patzer leisteten. Nico Elvedi war nach seinem kapitalen Bock vor dem 0:2 im weiteren Verlauf der Partie völlig verunsichert. Marvin Friedrich ist spielerisch erschreckend und zudem derart langsam, dass man sich fragt, wie er in Berlin über Jahre hinweg als Abwehrchef glänzen konnte. Julian Weigl erwischte ebenfalls einen rabenschwarzen Tag und wird sich damit immerhin diesen Winter eine längere Erholungspause gönnen können. Spielt die Mannschaft ordentlich, so ist Weigl mit seiner Passgenauigkeit und Ballsicherheit eine klare Verstärkung. Wenn es in der Mannschaft aber hakt, dann ist er mit seiner Art zu spielen leider kein Führungsspieler, der die Mannschaft mitreißen kann. Auch die WM-Ambitionen von Christoph Kramer, die in einigen Medien nach dem starken Spiel gegen Leipzig hochgekocht wurden, haben sich als heiße Luft entpuppt. Dabei war der Weltmeister immerhin noch einer der wenigen, die sich offenkundig nicht mit der Niederlage abfinden wollten. Sein vehementer Einsatz in Halbzeit 2 wurde zwar mit der Gelben Karte bestraft, rüttelte die Mannschaft aber zumindest ein wenig auf. Sportlich darf dennoch hinterfragt werden, ob das Experiment mit Kramer im offensiven Mittelfeld wirklich so zielführend ist. Es ist beeindruckend, wie vielseitig er auf verschiedenen Positionen seine Leistung abruft. Seine Stärken sind und bleiben aber vornehmlich im zentralen Mittelfeld. Vernachlässigte Ersatzspieler Solange Kramer offensiver eingeplant wird, ist hingegen kein Platz mehr für Lars Stindl, den der Trainer trotz des Spielstands erstaunlich spät einwechselte. Es ist erkennbar, dass Borussias Kapitän mit 34 Jahren so langsam dem Alter Tribut zollt und seit einiger Zeit nicht mehr die Topleistungen abruft, die auch ihn einst in die Nationalmannschaft katapultierten. Trotzdem sollte ihm gerade bei der aktuellen Personalnot mehr zuzutrauen sein als eine Jokerrolle für die letzte Viertelstunde. Das Vertrauen von Daniel Farke in seine Ersatzleute ist aber insgesamt weiterhin überschaubar. Gerade die jungen Spieler, wie Borges oder Reitz hätten in der aktuellen Konstellation die große Chance, sich beim Trainer aufzudrängen. Offensichtlich gelingt ihnen dies nicht in ausreichender Form. Dass mit Oscar Fraulo und Nathan Ngoumou zwei Neuzugänge zu dieser Gruppe gehören, ist ärgerlich. So sehr die Transferplanung perspektivisch ausgerichtet sein muss, wäre es schon wünschenswert gewesen, wenn mindestens einer der beiden schon direkt eine echte Verstärkung in der Breite gewesen wäre. Gerade bei der aktuell dünnen Personaldecke fehlen so die brauchbaren Alternativen, um formschwache Spieler auszuwechseln oder zu schonen. Verdientes Sonderlob Im Tor stand mit Jan Olschowsky notgedrungen ein Talent in der Startelf. Nach nur 12 Minuten hatte er unverschuldet zwei Bälle aus seinem Tor holen müssen. Trotz dieses denkbar schlechten Karrierestarts agierte der 20jährige im weiteren Verlauf der Partie erstaunlich souverän und abgeklärt. Sofern Yann Sommer bis Freitag nicht fit wird, hat sich Olschowsky gegen den BVB eine weitere Bewährungschance verdient. Immerhin darf Borussia am Freitagabend wieder zuhause antreten, was die Chance auf einen halbwegs versöhnlichen Jahresabschluss deutlich erhöht. Wirklich zufrieden kann man mit dem Gesamtauftritt der Mannschaft in diesem ersten Saison-Halbjahr aber schon jetzt nicht sein. Dafür wurden zu viele Punkte in Spielen wie in Bochum unnötig und fahrlässig verschenkt.


07. Nov 2022

Auswärtssieg, Versuch Nr. 7

Aber können sie es auch an einem kalten, regnerischen Abend in Bochum? Ob das jetzt die beste Übersetzung der auch hier schon mehrfach thematisierten britischen „cold rainy night in Stokes“ ist, mag dahingestellt sein, aber es passt schon so einigermaßen und ist definitiv eine Frage, mit der sich die Gladbacher Borussia am Dienstagabend konfrontiert sehen wird. Obwohl es mit einem 9:1 in Oberachern doch so gut begann, hat sich Gladbach diese Saison auf fremdem Boden eher schwergetan, vor allem gegen Teams, die man so irgendwo zwischen Liga 1 und 2 ansiedeln würde. Als man in Gelsenkirchen am zweiten Spieltag in letzter Sekunde den Patrick-Herrmann-Deppen-Ausgleich hinnehmen musste, konnte man sich irgendwie noch einreden, beim großen Traditionsverein Schalke 04, der nur kurzfristig mal den Umweg über die zweite Bundesliga genommen hatte, einen wichtigen Punkt errungen zu haben. Inzwischen ist aber klar, dass man damals beim Abstiegsfavorit Nr.1 ziemlich blamabel und dämlich 2 Punkte verschenkt hat. Bei Schalkes Mitaufsteiger Bremen gab es dann eine hochnotpeinliche 5:1-Packung und beim Aufstiegsanwärter Darmstadt konnte man im DFB-Pokal kürzlich auch nichts holen. Und jetzt geht’s also nach Bochum, der zweite heiße Abstiegskandidat aus dem Ruhrpott, der nach zwei Heimsiegen gegen Eintracht Frankfurt und Union Berlin auf dem Weg schien, sich so langsam in die Saison hineinzufinden, aber zuletzt dann doch eher glatt von Wolfsburg und Dortmund weg gefiedelt wurde. Selten stand ein Auswärtsspiel der Borussia so unter dem Motto „Pflichtsieg“ wie dieses. Immerhin konnte man mit dem Sieg gegen Stuttgart den kompletten Panikmodus abwehren und steht dadurch in Bochum nicht mehr ganz so unter Druck, aber wenn man sich vor der WM-Pause zumindest so einigermaßen in Position für das Rennen um internationale Plätze bringen will, sind die 3 Punkte von enormer Bedeutung, zumal man im folgenden Spiel gegen Dortmund nicht als Favorit ins Rennen gehen wird. Die vielleicht wichtigsten Erkenntnisse aus dem Stuttgartspiel waren Wenn es läuft, kann der Farke-Fussball sehr ansehnlich sein und zu wunderbar durchkombinierten Toren führen Borussia braucht Jonas Hofmann Weiterhin kann eigentlich jede Mannschaft zu jeder Zeit ein Tor gegen Gladbach erzielen Punkt 1 macht Hoffnung gerade im Blick auf ein Spiel wie das in Bochum, wo Geduld nötig sein wird, um letztlich die Lücken in der Bochumer Verteidigung zu finden. Der zweite Punkt kann zunächst egal sein, solange Hofmann gesund bleibt, deutet aber an, dass es dem Kader an Stabilität und Breite fehlt. Punkt 3 bereitet die größten Bauchschmerzen. Zwar war es sehr erfreulich, wie Tony Jantschke ohne jegliche Matchpraxis mit gewohnter Zuverlässigkeit seinen Dienst in der Innenverteidigung verrichtete und auch Tobias Sippel konnte sich diesmal zumindest mit einer richtig starken Parade auszeichnen, aber Joe Scally und Marvin Friedrich scheinen immer für einen Fehler gut zu sein. Seltsam ist dabei, dass man die defensive Stabilität zu Saisonbeginn ja schon gefunden zu haben glaubte. Nur 5 Gegentore gab es in den ersten 7 Spielen (Schnitt: 0.71), weitere 15 in den 6 Spielen seit dem (Schnitt: 2.5) und selbst wenn die Partie in Bremen als Ausreißer rausnimmt, gab es zuletzt durchschnittlich 2 Gegentore pro Spiel. Das führt nicht nur dazu, dass Borussia-Anhänger einer Führung mit einem Tor eine Viertelstunde vor Spielende eher sarkastisch begegnen, als sich darüber zu freuen, sondern gibt auch einem Tabellenvorletzten die Hoffnung, dass bei aller Überlegenheit auf dem Papier (Marktwert 206 Millionen vs 46 Millionen laut Transfermarkt.de) die Borussia durchaus verwundbar ist. Fraglich ist noch, ob der gegen Stuttgart erkältungsbedingt fehlende Nico Elvedi in Bochum wieder zur Verfügung steht. Angesichts der Auswechslung Tony Jantschkes am Freitag wegen Adduktoren und Knieproblemen, könnte man ansonsten ein Problem in der Innenverteidigung bekommen, was vermutlich mit Ramy Bensebaini und einem Tausch auf den Außen gelöst werden würde. Ansonsten kann man wohl mit der gleichen Startelf wie gegen Stuttgart erwarten, außer Farke gibt Kapitän Lars Stindl den Vortritt vor Christoph Kramer. Beim Gegner in Bochum scheint man es nicht bemerkt zu haben, dass der Titel „This year’s Arminia Bielefeld“ nur in der ersten Saison nach Aufstieg erstrebenswert ist. Die schwierige zweite Saison setzt dem Verein genauso zu wie den Ostwestfalen im Vorjahr. Der fast schon sensationelle 13. Platz am Ende der letzten Saison (mit nur 3 Punkten Rückstand auf die Borussia) ist längst Geschichte, der Saisonstart verlief mit nur einem Punkt aus den ersten 8 Spielen katastrophal. Mit dem neuen Trainer Thomas Letsch konnte man allerdings immerhin zwei unerwartete Heimsiege gegen Frankfurt und Union Berlin einfahren und den Ruhrpott-Rivalen aus Gelsenkirchen in der Tabelle überholen. Realistisch gesehen ist der 17. Platz aber auch so ziemlich das, was in diesem Jahr für die Bochumer realistisch ist, denn die momentane Konkurrenz in den unteren Gefilden aus Stuttgart, Berlin oder Augsburg wirkt doch eine gute Runde spielstärker. Dass das Spiel für Gladbach aber kein Selbstläufer werden wird, zeigen die oben erwähnten Auftritte in Schalke oder Darmstadt. Mit dem spielintelligenten Stöger, dem quirligen Tutu und den erfahrenen Hofmann und Zoller besitzt der kleine VFL auch Spieler, die an einem guten Tag einer wackligen Gladbach-Abwehr durchaus weh tun können. Der vielleicht beste Akteur der Bochumer steht aber im Tor mit Manuel Riemann, auch wenn er seine Mitspieler zuweilen mit ungewöhnlich Verbalattacken wie „Ihr Missgeburten“ zu motivieren versucht. So cool und legendär das Ruhrstadion sein mag, erwartet die Borussia morgen Abend also ein eher unangenehmes Spiel, bei dem man eigentlich nur verlieren kann, denn alles andere als 3 Punkte wären angesichts der Ambitionen in Gladbach eine Enttäuschung. Die Zeiten, in denen Bochum mit Doppelpässen irgendwen nass gespielt hätte, existieren vor allem in seltsamen Halluzinationen von Herbert Grönemeyer (der gerüchteweise aus dieser Stadt kommen soll). Es ist eher Aufgabe der Borussia dem Spiel den spielerischen Stempel aufzudrücken und zu vermeiden, vom Gegner auf dessen Niveau heruntergezogen zu werden. Kann man diese Aufgabe nicht erfüllen, könnte das längst vergessen geglaubte Wort von den „Auswärtsdeppen“ eine ungewollte Renaissance in Mönchengladbach feiern. Seitenwahl-Tipps: Claus-Dieter Mayer: Neutrale Zuschauer erfreuen sich an einem unterhaltsamen Spiel, Bochumer feiern einen unerwarteten Last-Minute-Punkt und die Gladbacher können nach dem 2:2 nicht fassen, zweimal eine Führung nicht verteidigt zu haben. Thomas Häcki: Zwei Tore fallen, eins für die Borussia, eins für die ehemals Unabsteigbaren. So richtig begeistert das natürlich keinen. Michael Oehm: Bochum schmeißt den Becher schon nach 45 Minuten beim Stand von 0-1. in der zweiten Halbzeit passiert nämlich nichts mehr. Christian Spoo: Mühsam nährt sich das Farkehörnchen. Das 1:1 gegen Bochum bringt Borussia den letzten Punkt eines schwierigen Jahres. Michael Heinen: In Bochum tut sich Borussia mal wieder schwer und verliert am Ende unglücklich mit 1:2. Volkhard Patten: Flutlicht, November, nasser Rasen, eine Mannschaft die kämpft, fighted und beißt, um den Anschluss zu halten - und Borussia. Bochum siegt mit 3:1. Uwe Pirl: Bochum gegen Gladbach: Auf der einen Seite Spielkultur und Effizienz. Auf der anderen Seite Bochum. Auch wenn es am Ende wieder wackelt: Gladbach gewinnt 2:1 nach Toren von Hofmann und Thuram.


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